Fell zupfen

Bedeutet im Englischen der Begriff „trimmen“ das Schneiden des Hundes, wird es im deutschen Sprachgebrauch immer wieder auch für das Zupfen des Fells verwendet. „Hand stripping“ oder auch „zupfen“ genannt, meint das Herausziehen des Totfells von rauhaarigen Rassen.  Darunter fallen Rauhaardackel, Airdale Terrier und auch Fox Terrier. Diese, und viele andere Rassen, unterliegen nicht dem regulären Fellwechsel. Ihr abgestorbenes Haar verbleibt in der Wurzel und muss von Hand entfernt werden. Geschieht dies nicht kann es nach einigen Monaten oder Jahren zu starken Hautirretationen und Juckreiz kommen. Nach dem Zupfen verbleibt nur das neue, oft weichere, Fell.

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Tut das nicht weh?

Du wirst immer wieder mit Gegenargumenten konfrontiert werden. Mit Gegnern des Zupfens. Meistens basieren solche Einstellungen auf mangelnde Informationen oder schlechten Erfahrungen mit anderen Hundefriseuren. Es wird als grausam, als Tierquälerei bezeichnet. Der Hund würde gestresst sein und Sie würden ihm wehtun. Doch tatsächlich empfinden die meisten Hunde diese Behandlung als angenehm. Und wenn korrekt gezupft wird, ist es auch nicht schmerzhaft der gar grausam. Sie zupfen schließlich nicht das festsitzende, neue Fell. Du zupfst das lose Totfell, dessen Verankerung im Follikel nicht mehr vorhanden ist.

Warum zupfen?

Durch das Zupfen wird das Fell ausgedünnt. Überflüssiges Fell wird entfernt, das neue sichtbar und liegt flacher und gleichmäßiger an, als wenn es nur gekürzt worden wäre.

Ist zu viel Fell vorhanden erhöht das die Temperatur auf der Haut. Gleichzeitig kann aber Feuchtigkeit schlechter trocknen, da das Fell alles abdichtet. Ein Paradies für Bakterien. Auch ein Grund für juckende und gereizte Haut. Da die Versorgung des Totfells mit Nährstoffen und Sekreten nicht mehr gegeben ist, kann es auch dazu führen, dass Nässe sich tief im Fell sammelt. Geht ein Hund gerne schwimmen kann man es mit einer Daunenjacke vergleichen, die sich mit Wasser vollsaugt; und schwer wird.

Frisch gezupfte Hunde brauchen in der Regel nicht gewaschen zu werden. Schmutz und Verunreinigungen sitzen im Totfell und wenig bis gar nicht im neuen Fell. Daher kann das Waschen ausfallen.

Faszinierend ist immer wieder die Veränderung des Hundes beim Zupfen. Das alte Fell ist bei vielen Hunden stumpf und ausgeblichen. Unter dem Totfell befindet sich das neue, kräftige, glänzende und farbintensive Fell. So kann ein gelblicher Hund nach dem Zupfen rot-braun sein. Auch Muster kommen wieder zur Geltung.

Ist das Fell geschädigt, etwa durchschneiden, kurzzeitige Krankheit oder ähnliches, ist das neue Fell selten betroffen. Wird das Totfell gezupft sieht der Hund danach wesentlich gesünder aus.

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Wann zupfen?

Am Einfachsten lässt sich das Fell zupfen, wenn es die katagene Phase, also seinen Wachstumszeitraum, abgeschlossen hat. Das Fell bildet hierbei Strähnen, die du im Ganzen herausziehen kannst. Hierbei ist nur ein geringer Widerstand zu merken. Ohne Kraftaufwand lässt sich das Fell einfach herausziehen. Sollte der nötige Druck zu groß sein, ist es ratsam das Fell noch einige Wochen wachsen zu lassen bis es „reif“ ist.

Hunde, die alle paar Monate gezupft werden, haben ein besseres Haut- und Fellbild. Wird Trimmfell geschnitten statt gezupft, verbleibt das alte Fell im Follikel. Es wird nicht mehr mit Nährstoffen versorgt, bleicht aus, wird stumpf und brüchig. Zudem wächst in dem Wurzelkanal ein neues Haar, das Platz benötigt. Wird das alte Haar nicht entfernt spannt die Haut irgendwann und der Hund beginnt sich das Fell selbst zu entfernen. Das schafft er durch Scheuern, Kratzen und Rausknabbern. Dabei wird die Haut meist beschädigt und fängt während des Heilungsprozesses noch mehr das Jucken an. Daraufhin wird der Hund sich noch mehr scheuern, kratzen und knabbern. Leider erkennen auch viele Tierärzte die Ursache dieses Problems nicht und verschreiben gerne diverse Mittel gegen Milben, Spezialfutter wegen des Verdachts auf Allergien und und und. Ein sehr teurer Spaß. Und der Hund leidet umso länger unter dem Totfell.

Neben Drahthaar-Rassen gibt es auch Rassen mit seidigem Fell, das gezupft werden muss. Zu diesen Rassen zählen der West Highland Terrier, Saluki, Cocker Spaniels und Afghanischer Windhund. Auch hier ist Totfell vorhanden, dass entfernt werden muss. Die Struktur ist wesentlich weicher und zarter. Das Vorgehen ist jedoch dasselbe.

Hinweis: Hunde mit Trimmfell sollten vor dem Frisieren nicht gebadet werden. Das Fell wird zu weich und lässt sich schlechter zupfen. Nach dem Trimmen kann der Hund bei Bedarf aber gerne gebadet und geföhnt werden.

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